17. – 21. Tag: Arequipa, Kloster St. Catalina und Trekking im Colca-Canyon

Wir nehmen ein Taxi zum Terminal terrestre und kaufen die Tickets nach Arequipa. Da dort mehrere Busgesellschaften um Kunden werben, geht es zu wie auf einem Basar. Eine durchdringende weibliche Stimme brüllt „Aaaaarequipa-requipa- requipa!". In dem klapprigen Bus mit der üblichen Videoausrüstung sind wir die einzigen Touris und so reisen wir gemeinsam mit alten Indiofrauen mit vielen Säcken Gepäck, blöden jungen peruanischen Gänsen, die sich die ganze Zeit die tollen Klingeltöne ihrer Handys vorspielen und schnarchenden alten Männern. Es ist heiß, der Videokasten dröhnt und vibriert und der Fahrer spielt Formel 1. Manchmal sieht man Grabsteine in Kurven stehen...

Wir kommen lebend an und finden im „Piccola Daniela" ein gemütliches kleines Hotel um die Ecke des Klosters. Es ist viel wärmer hier als in Puno. Wir buchen einen Flug nach Lima in drei Tagen, schauen uns die schöne Altstadt an und setzen uns in der beginnenden Abendkühle mit einem Sixpack „Arequipena" auf die Dachterrasse des Hotels, wo am Morgen auch das etwas karge Frühstück serviert wird.

Am nächsten Tag besichtigen wir die Klosteranlage von Santa Catalina aus dem 17. Jahrhundert. Es ist riesig, sehr verwinkelt mit stillen Plätzen, wunderschön bemalt und abgesehen von der ubiquitären Sakralmusik ein Ort der Ruhe und inneren Einkehr. Wir nutzen die Gelegenheit zum ausgiebigen Tagebuchschreiben.

 

 

.

Santa Catalina

 

Unsere zweitägige Wanderung durch den Colca-Canyon beginnt am nächsten Tag um 1 Uhr nachts. Ein seltsames Taxi mit einem seltsamen Fahrer bringt uns zum Busbahnhof, wo wir einen klapprigen Bus besteigen. Nachdem der Fahrer ihn in den Vororten gefüllt hat, geht es, untermalt von peruanischen Schlagern, bis auf 4000 m, wo eine entsetzliche Schotterpiste beginnt, die den Bus richtig durchrüttelt. Glücklicherweise bremst dies etwaige Raserambitionen des Fahrers. Wir steigen bis auf 4800m und anschließend langsam und in vielen Kehren runter ins Colca-Tal. Ich bin froh, daß es dunkel ist. Gegen 5 Uhr beginnt es zu dämmern und die ersten Lichter von Chivay tauchen auf. Dort gibt es eine kurze Pinkelpause und viele Frauen in der dortigen farbenprächtigen Tracht mit dem charakteristischen Hut steigen ein. Im Laufe der Fahrt zum Cruz del Condor werden es immer mehr und bald ist der Bus von fröhlichem Schnattern erfüllt. Am Cruz del Condor steigen alle aus und die Bauersfrauen breiten ihre Mantillas mit Textilien, Bändern oder auch Agua sin gas zum Verkauf vor sich aus. Immer mehr Touristen treffen ein – nur keine Condore. Plötzlich taucht einer aus der Tiefe der Schlucht auf und schwebt lautlos über unsere Köpfe. Sehr schnell werden es noch mehr dieser Riesenvögel und am Ende kreisen etwa 15 Kondore vor uns über uns in niedriger Höhe und beobachten uns genauso neugierig wie wir sie. Fünf Minuten später treffen wir unseren Guide durch den Canyon, Edwin. Wir werden, sagt er, heute 6 bis 7 Stunden hauptsächlich abwärts in den Canyon gehen, dort übernachten und morgen früh um drei los marschieren (klar, um 9 wäre ja auch mal was Neues...), damit wir gegen 17 Uhr wieder in Arequipa sein können. Wohlan. Wir nehmen den nächsten Bus nach Cabanaconde, wo unser Abstieg über 1000 Höhenmeter beginnt. Es ist heiß und die Luft flirrend. Doch herrliche Tiefblicke und das Panorama lassen uns die Hitze fast vergessen. Nach zwei Stunden überqueren wir die neue Brücke am Talgrund und nach einem kurzen Aufstieg durch einen Garten Eden mit Feigen, Orangen, Avocados und den größten Agaven, die ich je gesehen habe, erreichen wir den Flecken San Juan de Chuccho, wo wir in herrlicher Umgebung zu Mittag essen und unsere verschwitzten Hemden trocknen. Es gibt hier unten keine Straßen, alles wird mit Eseln und Pferden transportiert und auf solchen Pfaden wandern wir durch die Schlucht, passieren zwei Dörfer oberhalb des Flusses und steigen gegen Abend hinab nach der Oase von Sangalle, deren Strohhütten und Pools schon lange zu sehen sind. Ich stelle mir eine schöne Bar am Pool vor... In Wirklichkeit sind es wirklich nur Strohhütten mit Betten darin und zwei kleinen Pools aus Naturstein. Sehr romantisch! Wir springen ins warme Wasser und genießen die Ruhe und das leckere Essen, das Edwin mittlerweile zubereitet hat. Wozu braucht man schon Pina colada, wenn es Cocatee gibt?

.

Am Cruz del Condor

 

Wie sich der aufmerksame Leser mittlerweile denken kann, stehe wir westalpenmäßig früh in der Nacht auf und marschieren mit Stirnlampe und Kerze steil den Rand der Schlucht hinauf. Sternschnuppen tauchen auf und verglühen am dunklen Rand des Canyons. Trotz der Kühle geraten wir bald ins Schwitzen und sind froh, daß wir bei Sonnenaufgang den Großteil des Aufstieges hinter uns gebracht haben. Nach knapp drei Stunden kommen wir gegen 7 Uhr wieder in Cabanaconde an, wo uns ein Frühstück und der Bus nach Arequipa erwartet. Der Bus ist bis auf den letzten Sitzplatz voll – denke ich. In Wahrheit war er nicht mal zu einem Drittel gefüllt. Nach einer Stunde sitzen wir zu dritt auf meinem Sitz: ich nach vorn gebeugt mit einem kleinen Indiojungen auf dem Schoß und eine Bäuerin mit riesigem Sack auf dem Rücken auf meiner Lehne. Ich habe noch nie einen solch überladenen Bus erlebt! Glücklicherweise steigen die meisten in Chivay aus und wir können moderat überfüllt weiter nach Arequipa fahren. Allerdings beginnt jetzt erst der Wahnsinn: aufwärts geht’s ja noch. Abwärts nach Arequipa lässt es der bekloppte Fahrer ordentlich angehen und nach einer Reifenpanne versucht er die verlorene Zeit durch noch mehr Rasen aufzuholen, daß die Reifen auf der Straße und dem Kotflügel schreddern. Dabei immer schön am Abgrund entlang und mit voller Lautstärke aus den kaputten Boxen...

Am nächsten Tag beschwere ich mich beim Tourveranstalter und der Herr meint mit ernster Miene, daß er mir für die wichtige Information sehr dankbar sei. Sah ich ein verstecktes Grinsen...?

Wir verbringen den Tag mit Ausschlafen, dem Besuch des sehenswerten Musen de sanctuarios andinos und Essen. Abends geht der Flug nach Lima. Ein genialer Taxifahrer, er heißt Segundo Diaz, mit Che Guevara statt Rosenkranz am Rückspiegel singt wunderschönen Tango im Radio mit und bringt uns in das ebenso genial-verrückte Hotel Espana. Sehr empfehlenswert!

Nachtrag Arequipa: Wir sitzen im Cafe, als uns ein junger Schweizer anspricht, ob wir nicht auch auf den Kalchani wollten. Er suche noch Leute, die eine Tour voll machten, aber momentan gäbe es nur Touren auf den Misti und der sei halt nicht über 6000m ... Ehrlich gesagt: wenn man die schneebedeckten Gipfel so sieht, möchte man schon rauf. Ich zumindest.


Vorbemerkungen - Die Kosten - Tips und Adressen - Lima - Huancayo und Trekking - Cusco - Puno - Arequipa