4. – 6. Tag: HuancayoMine an der Straße Lima - Huancayo

Um sechs Uhr ohne Frühstück geht es los. Der bestellte Taxifahrer schläft vor der Tür des Hotels in seinem Wagen, wo er vom Portier mit einem Schlag aufs Dach geweckt wird. Um 7:45 fährt der Bus von Cruz del Sur nach Huancayo ab. Wir sind eine Stunde vorher da. Der Check-in erinnert an einen Flughafen. Wenigstens ist das Gepäck sicher. Superpünktlich geht es los. Die meisten Passagiere ziehen sofort die Vorhänge zu um sich voll und ganz dem Schnulzenvideo zu widmen, der gleich nach der Abfahrt beginnt.

Nachdem wir Limas Stadtgrenzen hinter uns gelassen haben geht es mäßig ansteigend durch das Tal nach Chosica. Je höher wir kommen, desto grüner wird die Landschaft und die Berge. Blumen blühen und erst jetzt wird einem die Dominanz des Einheitsgrau in Lima bewusst. Nach Chosica gewinnt der Bus auf der sehr gut ausgebauten Straße rasch an Höhe und je näher die 4000er Marke kommt, desto karger wird die Landschaft. Ab und zu kommen wir an verlassenen oder aktiven Minen vorbei. Dazwischen herunter gekommene Bergarbeitersiedlungen. Es wird kälter draußen, die Scheiben beschlagen und nach drei Stunden Fahrt zeigt der Höhenmesser an, daß wir auf der Passhöhe mit 4860m sind. Ohne Pause geht es weiter. Während das Essen serviert wird, geht es rasant und mit vielen schnellen Kurven abwärts. Eine schlechte Kombination! Hinzu kommen langsam aber sicher Kopfschmerzen. Als wir nach 7 Stunden in Huancayo ankommen, geht es mir hundeelend. Da ich in diesem Zustand keine Lust habe mehrere Hotels anzusehen, fahren wir mit dem Taxi in das bekannte „Casa de la Abuela" , wo mir in Ruhe der Schädel platzen kann.

Plaza de la constitution

Frühstück

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen geht es schon besser. Zum Frühstück Cocatee und, wie es so schön heißt „nicht schneller gehen als die Einheimischen". Meine Laune ist wieder ganz gut und daran hat sicherlich die nette und gemütliche Unterkunft mit ihrer liebevollen Einrichtung seinen Anteil. Das Frühstück mit Mangobrei nehmen wir in einer überdachten und sonnigen Ecke des Innenhofes, während uns ein Papagei mit Kletterambitionen zusieht. Klar ist es eine typische Traveller-Unterkunft aber wenn man zum ersten Mal in einem sehr fremden Land ist, kann man auf den unterkühlten Neonröhren-Charme der billigeren und „autenthischeren" Unterkünfte erst mal ganz gut verzichten. Bei der Ankunft gestern hatte uns ein sympathischer junger Mann wegen Trekkingtouren angesprochen und uns seine Karte gegeben. Wir besuchen ihn in seinem Büro an der Plaza de la Constitution und er zeigt uns Bilder des Inka-Wegs, den er anbietet. Vier Tage in der Gegend des heiligen Berges Pariacacca auf dem richtigen Inkaweg. Ständig über 4000m und wahrscheinlich werden wir die grandiose Landschaft des Andenhochlandes für uns alleine haben. Da wir ohnehin keine Lust hatten den überlaufenen und viel zu teuren Inkatrail nach Macchu Picchu zu machen, entscheiden wir uns für sein Angebot. Marco ist vierundzwanzig, begeisterter Kletterer und hat in Huaraz einen Bergführererlehrgang absolviert. Er ist Huanco und sehr stolz auf die Naturverbundenheit seiner Ethnie, kennt die Geschichten der Götter, der Berge und ihrer Energien. Er spricht sehr gut Englisch und die vier Tage kosten 130 Dollar incl. Transport, Verpflegung und Übernachtung in seinem Dreimannzelt. Zur Akklimatisierung beschließen wir erst übermorgen zu fahren.

 

Marco und AnjaDen heutigen Nachmittag bietet uns Marco an uns die Gegend des Torre Torre zu zeigen, die bekannten und oft fotografierten Felssäulen unweit von Huancayo. Wir nehmen ein Taxi zu einem Dorf etwas unterhalb von Torre Torre und laufen hinauf oberhalb der Säulen. Diese bizarren Felsformationen entpuppen sich beim Näher kommen als rötlich-lehmige Erde mit Kieselsteinen versetzt ähnlich unserem voralpinen Nagelfluh. Während wir sitzend die herrliche ebene mit ihren schneebedeckten Gipfeln betrachten, spielt Marco auf seiner Kena – der Andenflöte. Wir laufen zwischen den Erdsäulen wieder zurück ins Dorf. Es ist ärmlich mit vielen streunenden Hunden, die wir uns einfach und wirkungsvoll mit Steinwürfen vom Leib halten. Ein kurzer Fußmarsch im Sonnenuntergang bringt uns zum Parco de la Identidad Huanca, den wir uns noch schnell ansehen.Am nächsten Tag um 10 dann eine kleine Eingehtour mit Marco in die nähere Umgebung. Abends besorgen wir dann im Reisebüro neben La Cabana (gegenüber dem Abuela) die Tickets für die Rückfahrt nach Lima und für den Flug nach Cusco. Die ursprünglich geplante direkte Fahrt von Huancayo nach Cusco haben wir angesichts der zu erwartenden 22 Stunden Fahrzeit schlicht gecancelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. – 10. Tag: Inkatrail am Pariacacca

Wir treffen uns um 7 Uhr mit Marco auf der Plaza de la Constitution. Ein Taxi bringt uns bis hinter Jauja zur Zufahrt zur Mine Azulcocha. Dort direkt hinter der Brücke über den Fluss warten wir bis uns einer der lokalen Taxifahrer zu einem vernünftigen Preis in die Berge fährt. Einer wollte 100 Soles. Für 60 sind wir dann gefahren. Auf abenteuerlicher Schotterpiste passieren wir die Siedlung Pachacayo und anschließend geht es auf der Straße Richtung Tanta ins Andenhochland. Nach einer Stunde Fahrt passieren wir die letzte Siedlung und nach einer Schranke geht es bald steil nach oben an einem Stausee vorbei. Nach 1,5 Stunden Fahrt steigen wir auf 4500m aus. An dieser Stelle kreuzt der Inkatrail die Straße. Wir steigen langsam höher auf 4700m in einen Sattel und auf der anderen Seite wieder hinab. Die Wolken werden dunkler und wir beeilen uns automatisch etwas. Der Pfad ist fast immer auch ohne Markierung und Steinmännchen gut zu finden, da er von Hirten öfters benutzt wird. Hin und wieder laufen wir über alte Steinstufen, die hier in dieser menschenleeren Umgebung seltsam anmuten. Bis auf die Hirten am zweiten Übernachtungsplatz werden wir während der gesamten Wanderung niemandem begegnen und es ist genau diese Verbindung aus Landschaft und vollkommener Einsamkeit, die den Reiz dieses Weges ausmacht. Der Fels hier besteht hauptsächlich aus Granit und Marco nutzt, obwohl er mit Zelt und Kochausrüstung das schwerste Gepäck hat jede Pause zum Bouldern. Mich dagegen plagen trotz ständigem Cocokauen stärker werdende Kopfschmerzen. Gegen 16 Uhr erreichen wir den kleinen Lac Escalera, wo wir unter Überhang eines riesigen Felsblockes unser Zelt aufschlagen. Es wird schnell kalt und ein heftiger Wind weht, so daß wir unser Essen im Zelt einnehmen. Als Nachtisch gibt es für mich Paracetamol. Ein blödes Gefühl mit so einem Handicap in so einer einsamen  Gegend unterwegs zu sein. Anja ist zwar auch nicht 100%ig fit, aber ihr geht es viel besser. Ob das was mit dem Alter zu tun hat? Blödsinn...

Ich schlafe halbwegs gut und am Morgen ist herrliches Wetter. Die Frühsonnenstrahlen glitzern auf dem gefrorenen Tau des Grases. Nach dem ausgiebigen Frühstück klettern wir auf den Felsen herum. Es gibt auf mehreren Felsbrocken das herausgemeißelte Zitat des Doppelgipfels des Pariacacca. Gegen 11 Uhr marschieren wir langsam weiter Wir haben heute nur eine kleine wegstrecke hinter uns zu bringen. Höhenmäßig bleiben wir immer zwischen 4300 und 4400m. Nach einer Stunde Gehzeit erreichen wir den großen Lac Mullucocha, an dem, so Marco, unser nächster Übernachtungsplatz liegen soll: die Strohhütten von Hirten. Wir sehen nichts. An einem Bach machen wir eine Pause und halten die Füße ins eiskalte Wasser. Über uns, sehr hoch, ein Kondor. Nur segeln... Die Hütten liegen versteckt oberhalb eines Felsriegels von etwa 50m. Von oben aus dem Nichts plötzlich ein „Ola Marco!" Wir sind da. Kurz darauf sehen wir die beiden Strohhütten und weitere ungedeckte Mauern aus grobem Stein ohne Dach. Es ist noch früh im Jahr und die vom Winterwind abgedeckten Hütten müssen durch die nachkommenden Familienmitglieder erst wieder wohnbar gemacht werden.

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Beginn des Trekkings

 

Nachdem wir innerhalb einer Hüttenmauer unser Zelt aufgebaut haben, erfahren wir, daß der hiesige Puma vor vierzehn Tagen den Hund der Hirten gerissen hat. Er soll ziemlich groß sein. Ich stelle mir vor, wie ich nachts zum Pinkeln aus dem Zelt muss ...

Am nächsten Morgen gibt es drei frisch gefangene und mit Knoblauch gebratene Forellen zum Frühstück. Ohne Kopfschmerzen geht es auf unsere letzte Etappe nach Tanta. Obwohl wir weiterhin auf 4300 m bleiben, wird es grüner und überall zeigen Steinmauern, daß hier im Sommer viele Alpakas und Lamas gehalten werden. Nach drei Stunden beginnt nach einer verlassenen Siedlung der Abstieg ins Tal, an dessen Ende Tanta liegt. Der Weg zieht sich in der Mittagshitze und wir wünschen uns alle drei Mountainbikes. Nach ungefähr fünf Stunden erreichen wir Tanta, eine reizlose Siedlung in grandioser Umgebung. Das Dorf ist erst vor einem Jahr elektrifiziert worden und unsere Pension ist sehr primitiv, hat aber DVD-Player und eine Riesensammlung von DVDs.

Wir werden früh wach am nächsten Morgen durch den Fahrer des Busses, der heute eigentlich zurück nach Jauja fahren sollte. Dummerweise ist sein Bus defekt und er lief zu Fuß hierher. Marco organisiert eine Mitfahrgelegenheit auf einem LKW. Zusammen mit ca. 20 Schafen und einem Dutzend kleinen und großen Menschen fahren wir mit dem kleinen Mitsubishi-LKW über die abenteuerliche Geröllpiste bis auf 4800 m und dann runter nach Jauja, von wo uns ein Taxi zurück nach Huancayo bringt. Todmüde fallen wir um halb elf im Casa de la Abuela ins Bett.

In San Geronimo

Den nächsten Tag verbringen wir mit Spaziergängen in der Umgebung und dem Besuch von Webereien in Hualhuas und San Geronimo. Sehr schön und empfehlenswert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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