1. - 3. Tag: Lima – Der Moloch

Wir kommen nach 10 Stunden Flugzeit aus Madrid morgens um halb vier Ortszeit in Lima an. Der Flughafen ist supermodern und sauber und repräsentiert damit eben nur ein Minderheits-Peru. So wie die Stadtteile Miraflores und Barranco. Es gibt das reiche, schöne, saubere Lima, aber von oben betrachtet, z.B. vom Aussichtshügel San Cristobal, verschwindet dieses im mehrheitlichen ärmlichen Grau der Riesenstadt.. Aber als Europäer sind wir natürlich erst mal froh über diesen Flughafen und auch über dieses Schild, den ein Fahrer des Hostal Roma im Empfang in die Höhe hält und auf dem mein Name steht. Die Fahrt durch das nächtliche Lima zeigt dann ziemlich schnell das andere Gesicht dieser Stadt und wir sind froh uns im Hostal noch ein paar Stunden schlafen legen zu können.

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Männer...

 

Am Morgen scheint die Sonne. Keine Spur vom Küstennebel und dies bleibt auch so. Das Hostal Roma entpuppt sich bei Tageslicht als ganz gute Unterkunft. Saubere Zimmer, eine nette Cafeteria mit Gaccia-Kaffeemaschine (ein Luxus! Was man in Peru z.T. als Kaffee angeboten bekommt, spottet jeder Beschreibung) und ein englischsprachiger Chef sorgen dafür, daß man sich auch in Lima ganz wohl fühlt. Vom Hostal sind es nur ein paar Schritte zur Plaza Mayor, wo eine massive Präsenz von Uniformierten mit und ohne Waffen (und Panzer) für ein Gefühl der Sicherheit sorgt (oder auch nicht...). Als wir über die Brücke über den Rimac gehen wollen, hält uns ein Polizist auf mit der Begründung „das ist zu gefährlich da drüben...". Daß er möglicherweise nicht ganz unrecht hat erfahren wir am nächsten Tag, als wir in ein sehr heruntergekommenes Stadtviertel geraten und prompt jemand versucht mir die Uhr vom Arm zu reißen. Das war aber auch schon das einzige Erlebnis dieser Art während der gesamten drei Wochen. Ansonsten viel Hilfsbereitschaft und Neugierde gegenüber uns Touris. Nur sollte man eben bestimmte Viertel zu bestimmten Zeiten meiden. Das Gebiet um den Aussichtsberg San Cristobal ist so ein Viertel und wir nehmen deshalb ein Taxi auf den Gipfel. Herrliche Aussicht dort oben: der Smog, der über der Stadt liegt, ist wunderbar zu sehen. Aber am beeindruckensten war der gigantische Friedhof Limas. Eine wirkliche Großstadt der Toten. Man sollte dem Taxifahrer sagen, daß er warten soll, da man sonst nur schlecht wieder herunter kommt. Oben halten nur Touristenbusse und die nehmen außer der eigenen Reisegruppe niemanden mit (Mit Ausnahmen, Gott sei Dank ...).

In der Altstadt, in der Nähe des Plaza Mayor liegt auch die Kirche des Klosters San Francisco, welches durchaus einen Besuch lohnt. Die Teilnahme an der Führung ist kurzweilig und informativ. Die Bibliothek von Hogwarts könnte als Vorbild der dortigen Klosterbibliothek gedient haben. Der Höhepunkt ist sicherlich der Besuch der Katakomben mit einer Grube voller hübsch aufgereihter Totenschädel. Solcherart an die Vergänglichkeit des Daseins erinnert ist man bestens vorbereitet für den Straßenkampf, der insbesondere auf den großen Transversalen Limas tobt. Hier herrscht die Bereitschaft zum Töten und zum Märtyrertod. Straßenkinder führen vor den sechsspurig an Ampeln wartenden Taxis ihre Breakdance-Kunststücke vor. Überhaupt Taxis: ich schätze, daß sie wohl 70% des Verkehrs ausmachen. Der Rest besteht aus Colectivos. Privatautos gibt es nicht so viele. In Miraflores und Baranco gibt es mehr davon vor den hübschen Häuschen mit Vorgarten. Wer mal Pause von der stressigen Altstadt machen möchte, fährt dahin und spaziert an der Strandpromenade Miraflores´durch den Park der Verliebten oder besucht die Künstler in Baranco. Mit dem Colectivo Richtung Tacna kommt man übrigens für 1,20 Sol wieder ins Zentrum.

Bei irgendeinem der vielen Reisebüros kaufen wir unsere Bustickets von Cruz del Sur für die Fahrt nach Huancayo. Fazit für Lima: Ein Tag reicht.


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