15.- 16. Tag : Puno und TiticacaseeZug nach Puno

Nur die Reichen und die Touristen reisen in Peru mit dem Zug. Die Bahn ist privatisiert und die Fahrt nach Puno kostet 4 mal soviel wie ein ordentliches Busticket. Dafür gibt es dann auch Bordservice mit Essen und Trinken, Tischdeckchen und Blümchen. In den Balkonwagen der ersten Klasse am Ende des Zuges darf man allerdings nicht...

Vor unserem Fenster fährt wie in einem Film die peruanische Wirklichkeit an uns vorbei. Die grünen Landschaften mit den kleinen Feldern und den niedrigen Steinmauern dazwischen, die kleinen Städte mit den Straßenhändlern, die ihre Stände widerwillig, dem infernalischen Lärm des Zughornes weichend, eilig beiseite räumen, die schmutzigen und armen lachenden Kinder, die ungeteerten schlammigen Straßen, die Straße der Kloschüsselverkäufer, die Straße der Werkzeugverkäufer, die karge Landschaft mit Andengras und Mais und alten Landarbeitern. Die große Einsamkeit der Landschaft. Keine Hauswand ohne Ollanta oder Garcia ...

Auf der Passhöhe Albra La Raya auf 4312m macht der Zug eine Fotopause. Es ist kalt und nieselig draußen und das kleine Mädchen zwischen den Marktständen der Wasser- und Süßigkeitenverkäuferinnen schmiegt sich eng an das Lämmchen in seinem Arm und vergisst für einen Moment die Touristen zu bitten ein Foto von ihr zu machen.

Süße Armut?

Es ist neblig geworden und die Landschaft hat sich verändert. Der Blick auf den Höhenmesser zeigt 4000m aber rings um uns ist es vollkommen flach. Der Boden muss sehr feucht sein und immer häufiger zeigen sich kleinere Wasserflächen, in denen sich die Wolken spiegeln. Die Wasserflächen werden immer größer und manchmal scheint der Zug auf dem Wasser in den Nebel zu fahren. Es wird schnell dunkler und pünktlich um 10 vor sechs treffen wir in Puno ein.

Am Ausgang des Bahnhofs erwartet die Backpacker eine Menge Fremdenführer, die sich ein paar Soles verdienen, indem sie die Fremden zu einem bestimmten Hotel locken. Wir erwischen einen zum Hotel Los Uros, wo wir ohnehin hin wollten und erhalten für 40 Soles ein nettes Zimmer mit Bad/WC und einer heißen Dusche!

Abends bestelle ich in einem der zahllosen Restaurants der Fußgängerzone Cuy. Es sieht aus wie eine Ratte auf dem Rücken mit Kopf und Pfoten und allem dran außer Fleisch und Geschmack, dafür viele Knochen und Fett. Der Wirt lächelt verständig, als ich aufgebe und serviert mir ohne Aufpreis Alpakasteak mit Pfeffersauce. Tip für hinterher: das „Positive Vibrations" mit guter Musik!

So, wenn man schon mal in Puno ist, sollte man sich Zeit nehmen für die Inseln, für das Wandern, vielleicht weiter nach Copacabana. Wir mussten aus Zeitgründen alles streichen und unternahmen am nächsten Tag („früh raus...") den üblichen touristischen Bootstrip nach Taquile mit Besuche der schwimmenden Inseln. Touristisch hin oder her: es war wunderschön und sehr interessant. Insbesondere Taquile lohnt einen Besuch und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie es sein muss, wenn man hier nach einer Übernachtung den Sonnenaufgang über dem Titicacasee erleben kann, wie es im Reiseführer beschrieben ist. Besonders der Blick auf die westlich gelegenen bolivianischen Sechstausender Illampu und Ancoluma ist verwirrend.

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Die schwimmenden Inseln der Uros

 


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